Website-Relaunch Checkliste für kleine Unternehmen: SEO, Recht und Technik
Ein Relaunch soll eine Website besser machen: moderner, schneller, übersichtlicher. Er kann aber auch Sichtbarkeit kosten, wenn alte Adressen ins Leere laufen, die Entwicklungsumgebung auf „noindex“ bleibt oder neue Datenschutz- und Barrierefreiheitsprobleme entstehen. Diese Checkliste führt Sie durch die Zeit vor, am und nach dem Livegang. Sie richtet sich an kleine Unternehmen und ersetzt keine Rechtsberatung.
Vorbereitung: Bestandsaufnahme und Ziele
- Ziele festlegen: Was soll die neue Website leisten (Anfragen, Buchungen, Verkäufe, Vertrauen)? Daran messen Sie später den Erfolg.
- Alle bestehenden Seiten erfassen: Erstellen Sie eine Liste aller Adressen der alten Website. Ein Crawling-Werkzeug oder die Sitemap hilft. Ergänzen Sie, welche Seiten Besucher bringen und welche externen Links auf sie zeigen.
- Wichtige Seiten identifizieren: Die Google Search Console zeigt, welche Seiten Klicks und Anzeigen erhalten. Diese Seiten dürfen Sie beim Relaunch nicht verlieren.
- Ausgangswerte sichern: Halten Sie Rankings, Besucherzahlen und Anfragen vor dem Relaunch fest, damit Sie Veränderungen später einordnen können.
- Sicherung anlegen: Vollständiges Backup der alten Website, inklusive Datenbank und Dateien.
Adressen und Weiterleitungen
- Neue Struktur planen: Kurze, sprechende Adressen ohne unnötige Parameter. Ändern Sie Adressen nur dort, wo es einen Grund gibt, denn jede Änderung ist ein Risiko.
- Weiterleitungsplan erstellen: Legen Sie in einer Tabelle fest, welche alte Adresse auf welche neue zeigt. Jede alte Seite mit Besuchern oder Links bekommt eine dauerhafte Weiterleitung (301) auf die inhaltlich passende neue Seite.
- Keine Sammelweiterleitung auf die Startseite: Leiten Sie nicht pauschal alles auf die Startseite um. Suchmaschinen erwarten, dass das Ziel zum Thema passt.
- Weiterleitungsketten vermeiden: Alt auf neu in einem Schritt, nicht über Zwischenstationen.
- Eine Adressvariante festlegen: Mit oder ohne „www“, immer HTTPS. Alle anderen Varianten leiten dauerhaft auf die gewählte um.
- Eine eigene 404-Seite einrichten: Nicht mehr vorhandene Adressen sollten eine verständliche Fehlerseite mit Links zu den wichtigsten Bereichen zeigen und den Status 404 liefern.
Inhalte und On-Page-SEO
- Bewährte Inhalte übernehmen: Seiten, die gut gefunden werden, behalten ihre Kernaussagen. Kürzen oder umschreiben Sie sie nicht blind.
- Titel und Beschreibungen prüfen: Jede Seite braucht einen eigenen, aussagekräftigen Seitentitel und eine Meta-Beschreibung. Das Hauptthema der Seite gehört an den Anfang des Titels.
- Überschriften ordnen: Pro Seite eine Hauptüberschrift (h1), darunter logisch gegliederte Zwischenüberschriften.
- Bilder beschreiben: Alternativtexte für informative Bilder, sinnvolle Dateinamen, passende Bildgrößen.
- Interne Links setzen: Verlinken Sie verwandte Seiten mit beschreibenden Linktexten statt „hier klicken“.
- Canonical-Tags und strukturierte Daten: Jede Seite nennt ihre bevorzugte Adresse. Strukturierte Daten (zum Beispiel Organisation, Breadcrumbs) nur mit Angaben, die auf der Seite sichtbar stimmen.
Einen schnellen Überblick über die technischen Basisfehler bietet der kostenlose SEO-Check. Er prüft Indexierbarkeit, Titel, Beschreibung, Canonical, Überschrift und strukturierte Daten der Startseite.
Technik und Sicherheit
- Entwicklungsumgebung schützen: Während der Arbeit sollte die neue Website nicht im Suchindex landen. Am besten schützen Sie sie per Passwort. Alternativ setzen Sie „noindex“. Eine zusätzliche Sperre in der
robots.txtsollten Sie dann weglassen, weil Suchmaschinen den Hinweis sonst nicht lesen können. - Beim Livegang freigeben: Entfernen Sie Passwortschutz, „noindex“ und gegebenenfalls eine Sperre in der
robots.txt. Dieser Punkt wird leicht vergessen und kann dazu führen, dass die Website aus den Suchergebnissen verschwindet. - HTTPS und Zertifikat: Gültiges Zertifikat, Weiterleitung von HTTP auf HTTPS, keine unverschlüsselt eingebundenen Inhalte.
- Security-Header setzen: HSTS,
nosniff, Referrer-Policy und Schutz vor Einbettung. Eine Anleitung steht im Ratgeber Security-Header erklärt; die Wirkung prüft der Sicherheits-Check. - Geschwindigkeit und Mobilgeräte: Bilder komprimieren, unnötige Skripte entfernen, die Seite auf einem echten Smartphone testen.
- XML-Sitemap und robots.txt: Die Sitemap enthält nur Seiten, die in den Index sollen, mit den neuen Adressen. Die
robots.txtverweist auf die Sitemap. - Formulare testen: Kontaktformular, Anmeldung und Bestellung durchspielen, inklusive E-Mail-Zustellung.
Recht, Datenschutz und Barrierefreiheit
Bei einem Relaunch ändern sich oft eingebundene Dienste. Prüfen Sie deshalb Pflichtangaben und Datenschutz neu. Das ist eine allgemeine Orientierung, keine Rechtsberatung.
- Impressum: Vollständig, aus jeder Seite erreichbar, mit korrekten Angaben (§ 5 DDG). Ob typische Angaben auffindbar sind, zeigt der Impressum-Check als technischer Hinweis; eine rechtliche Prüfung ersetzt er nicht.
- Datenschutzerklärung anpassen: Sie muss zu den tatsächlich verwendeten Diensten, Formularen und Cookies passen. Neue Plugins oder Einbindungen bedeuten oft neue Angaben.
- Externe Dienste prüfen: Schriften, Karten, Videos, Tag-Manager und Statistik-Tools laden häufig Daten von Dritten nach. Besonders bekannt: Google Fonts. Lesen Sie dazu Google Fonts und DSGVO und prüfen Sie mit dem DSGVO-Check, ob Ihre neue Seite fremde Schriften lädt.
- Einwilligung bei Cookies und Tracking: Wo eine Einwilligung nötig ist (§ 25 TDDDG, DSGVO), dürfen die betreffenden Dienste erst nach der Einwilligung laden.
- Barrierefreiheit prüfen: Kontraste, Tastaturbedienung, Formularbeschriftungen, Alternativtexte. Der BFSG-Check und die Checkliste für Online-Shops helfen beim Start. Ob das BFSG für Sie gilt, erklärt BFSG: Wer ist betroffen?.
- Barrierefreiheitserklärung: Falls erforderlich, aktualisieren Sie sie nach dem Relaunch, siehe Barrierefreiheitserklärung: Inhalt und Pflichtangaben.
Am Tag des Livegangs
- Zeitpunkt wählen: Nicht freitags am späten Nachmittag und nicht in der umsatzstärksten Zeit.
- Weiterleitungen testen: Stichprobe der wichtigsten alten Adressen: Landen sie mit Status 301 auf der richtigen neuen Seite?
- Indexierung freigeben: Kein „noindex“ im Quelltext oder Header, keine Sperre in der
robots.txt, richtiger Canonical. - Search Console einrichten: Neue Website verifizieren, Sitemap einreichen. Ändert sich die Domain oder Subdomain, nutzen Sie zusätzlich die Funktion „Adressänderung“ der Search Console; bei einer reinen Umstellung auf HTTPS oder neuen Pfaden ist sie nicht nötig.
- Statistik prüfen: Falls Sie Besucher messen, kontrollieren Sie, ob die Messung datenschutzkonform und fehlerfrei läuft.
- Alle Pflichtseiten prüfen: Impressum, Datenschutzerklärung und gegebenenfalls Barrierefreiheitserklärung sind erreichbar.
Die ersten Wochen danach
- Search Console beobachten: Fehlerberichte zu 404-Seiten, nicht indexierten Seiten und Weiterleitungsfehlern prüfen und beheben.
- Schwankungen einkalkulieren: Nach einem Relaunch bewegen sich Rankings oft für einige Wochen. Beurteilen Sie erst nach einer angemessenen Zeit und im Vergleich mit den Ausgangswerten.
- Alte Sitemaps und Weiterleitungen behalten: Weiterleitungen sollten langfristig bestehen bleiben, mindestens ein Jahr.
- Erneut prüfen: Starten Sie die Prüfungen nach einigen Tagen noch einmal, denn Plugins und Einstellungen verändern sich.
- Dauerhaft überwachen: Das Monitoring (29 €/Monat) prüft Ihre Startseite jede Woche und einmal im Monat bis zu 10 Unterseiten und zeigt neue Probleme früh.
Hilfe beim Relaunch
Möchten Sie eine neue Website bauen lassen, finden Sie unsere Leistungsstufen unter Website erstellen lassen. Was ein Projekt kosten kann und worauf Sie bei Angeboten achten sollten, steht in Was kostet eine Website 2026?. Haben Sie nach dem Relaunch einzelne Probleme gefunden, beheben wir sie als Einzel-Fix für 99 € oder im Fix-Paket (ab 299 €).
Häufige Fragen
Verliere ich bei einem Relaunch meine Google-Rankings?
Nicht zwangsläufig, aber das Risiko ist real. Am wichtigsten sind saubere 301-Weiterleitungen von alten auf neue Adressen, erhaltene Inhalte und ein freigegebener Index. Kurzfristige Schwankungen sind normal. Garantien für Rankings kann niemand geben.
Muss ich nach dem Relaunch die Datenschutzerklärung ändern?
Oft ja. Sie muss zu den tatsächlich genutzten Diensten, Formularen und Cookies passen. Prüfen Sie nach dem Relaunch, welche Dienste neu hinzugekommen sind. Die rechtliche Bewertung klärt eine Fachperson.
Wie lange sollten Weiterleitungen bestehen bleiben?
Möglichst dauerhaft, mindestens aber ein Jahr, solange noch Besucher oder externe Links die alten Adressen nutzen.
Hinweis: Dieser Ratgeber gibt den Stand zum Veröffentlichungsdatum nach unserem Verständnis wieder und ist keine Rechtsberatung. Die Wirkung von Maßnahmen auf Suchergebnisse lässt sich nicht garantieren, denn Suchmaschinen und Wettbewerb verändern sich laufend. Quelle zu Weiterleitungen und Adressänderung: Google Search Central: Website-Umzug mit URL-Änderungen.
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